Treffen der Generationen (Krone 17.2.2020)

> Baby Boomer (1955 - 1965): Traditionell erzogen, hatten sie durch den wirtschaftlichen Aufschwung mehr Möglichkeiten (Fernreisen, freier Uni-Zugang). Ein sicherer Arbeitsplatz stand über Work-Life-Balance, sie prägten den Begriff Workaholic.

 

> Generation X (1965 - 1979): In Wohlstand aufgewachsen, stellten sie Autorität und Tradition in Frage. Der Beruf ist nur Mittel zum Zweck. Also: materielle Sicherheit, um sich etwas leisten zu können.

 

> Generation Y (1980 - 1994): Aufgewachsen in der Welt des Klimawandels, der Globalisierung, der Digitalisierung und des Terrorismus. Es gibt keine Sicherheit, das Leben ist da, um es zu genießen. Im digitalen Zeitalter versuchen sie, Arbeit und Leben zu verbinden. Arbeit muss für sie Sinn ergeben, gleichzeitig sind die Ansprüche an Privatleben und Freizeit sehr hoch.

 

> Generation Z (ab 1995): Komplett digital aufgewachsen. Strikte Trennung zwischen Arbeit und Privat. Weniger leistungsbereit. Suche nach Selbstverwirklichung bestimmt das Leben, aber auch der Wunsch nach klaren Strukturen.

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Krone 16.2.2020: Die Alten und die Jungen

Ein Beitrag von Prof. Peter Filzmaier. Er ist Professor  für Politikwissenschaft an der Donau-Universität Krems und der Karl-Franzens-Universität Graz.

Wir leben in einer alternden Gesellschaft. Heute gibt es in Österreich fast 1,7 Millionen Menschen über 65 Jahre. 2050 werden fast 2,4 Millionen der Österreicher im gesetzlichen Pensionsalter sein. Was bedeutet das eigentlich für die Generationen?

 

1. Es verringert sich der Anteil von jüngeren Pensionsbeitragszahlern im sozusagen "besten erwerbsfähigen Alter" stark. 2000 gab es noch doppelt so viele 30 jährige als 60 jährige, dem echten Durschnittsalter des Pensionsantritts. Nun haben die "Alten" die Gruppe der "Jungen" zahlenmäßig klar überholt. Weil wir alle länger leben! Ich bin dafür, und mit jedem Jahr bin ich mehr dafür.

 

2. Wo ist der Haken? Jedem muss klar sein, dass es die nächste und übernächste Generation nicht so toll findet, dass sie immer mehr von ihrem Einkommen zur Finanzierung der Pensionen von älteren Menschen zahlen muss. Wir haben nämlich kein (!) System, in dem jeder auf sein persönliches Pensionskonto Geld einzahlt und später wieder abhebt.

 

3. Sondern es gibt einen Generationenvertrag mit einer Art Umlageverfahren. Berufstätige zahlen jeweils das, was Pensionisten gerade bekommen. Heutige Pensionisten haben das in früheren Jahren genauso gemacht, deren Geld ist also längst weg. Gibt es immer weniger junge Arbeiter, Angestellte und Unternehmer geht sich das aber rechnerisch immer weniger aus.

 

4. Seit 1945 galt hierzulande der Slogan "Damit es unseren Kindern eonmal besser geht!". Nach einem Weltkrieg war das wohl ein Versprechen, das sowohl naheliegend als auch relativ leicht einzuhalten war. Nun wird es von Pensionen bis Umwelt Kindern in Zukunft nicht besser gehen, als es uns Eltern geht. Dennoch haben wir das berechtigte Versprechen der Großeltern nicht rechtzeitig zurückgenommen. Der brüchige Dialog mit der Nachfolgegeneration beruht auf unerfüllbaren Zukunfstversprechen.

 

5. Die Generationen leben also mit dem Lebensgefühl, sich wechselweise unmittelbar etwas wegzunehmen. Ältere Leute meinen, dass die Jungen undankbar für das sind, was aufgebaut wurde. Jüngere kontern, dass wir ihnen die Umwelt zerstört haben. Da kommt man politisch auf keinen grünen Zweig. Die extrem gegensätzlichen Ansichten von Alten und Jungen lassen sich auch anhand des Wahlverhaltens messen.

 

6. Dazu ein beispiel aus der Nationalratswahl 2019: Die erstplazierte ÖVP näherte sich im Teilergebnis in der Gruppe von allen über 60 - Jährigen mit 43 % aller Stimmen der absoluten Mehrheit. Sie lag bei den Älteren Menschen also klar über ihrem Gesamtresultat. Der junge Sebastian Kurz ist weniger bei Altersgleichen beliebt als so sein Lieblingsschwiegersohn. Denn bei den unter 30-Jährigen lag die Kurz'sche Partei mit 27 % nur in etwa gleichauf mit den Grünen.

 

7. Wenn junge und ältere Leute politisch so verschieden denken, können sie überhaupt noch vernünftig miteinander reden? Eher nein. So nutzen 98 % der unter 20-jährigen das Internet. Nur jeder Fünfte liest Bücher. Bei den über 60 Jährigen geht man von einem Viertel Untensivnutzern des Internets aus, dafür haben literararische Werke einen ungleich höheren Stellenwert. Wie sollen die Altersgruppen daher konstruktiv kommunizieren?

 

8. Selbst Geburtstagswünsche sind mit Barrieren verbunden: Ein 14-Jähriger erwartet dazu eine WhatsApp-Nachricht, ein 40-Jähriger ein SMS, ein 50-Jähriger E-Mails, ein 60-Jähriger einen Anruf vom Festnetz plus handschriftliche Glückskarten. Schon diese Kommunikation verlnangt also Verständnis und Kompromissbereitschaft, obgleich es keine unterschiedlichen Interessen gibt. Niemand nimmt bei Glückwünschen dem anderen etwas weg.

 

9. Noch eine Gemeinsamkeit haben ältere und jungen Menschen in ihrer Unfähigkeit zum Dialog: Alle Beteiligten scheuen sich über den Ausgangspunkt diese Beitrags - dem befund einer alternden gesellschaft - zu sprechen. Obwohl wir ausnahmslos sterben müssen und das wissen, zählen Tod und Alter zu den Tabuthemen. Darüber spricht man möglichst nicht. Für die Bundesregierung wiederum ist das Wort Pensionsreform tabu.

 

10. Hinzu kommt, das öffentliche und veröffentlichte Meinung nicht immer identisch sind. So werden hoffentlich keine Fernsehanstalt, kein Radiosender und kein Printmedium in der öffentlichen Meinung davon sprechen, dass die Jungen eingesperrt oder die Alten weg gehören. Mit all dem grauslichen Hintergedanken, welche angesichts der Geschichte des Landes einem diesbezüglich einfallen.

Wir sollten uns keinesfalls sicher sein, das in der öffentlichen Meinung eine Mehrheit oder mindestens relevante Minderheit nicht trotzdem genau das vertritt. Wer Gefühle der Hoffnungslosigkeit hat, neigt zu Radikalismen. Besonders im Generationenkonflikt.