Mögliche Ursache des schwangerschaftsbedingten Herzversagens entdeckt

Das Spaltprodukt eines Stillhormons könnte die schwangerschaftsbedingte Herzschwäche Prolactin Mediates Postpartum Cardiomyopathy (PPCM) verursachen. Das berichtet ein internationales Forscherteam in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Cell . Demnach schädigt das bei der Spaltung entstandene Molekül den Herzmuskel und schränkt so die Leistungsfähigkeit der linken Herzkammer ein. Dies führt im schlimmsten Fall zu Herzversagen. Die schwangerschaftsbedingte Herzschwäche ist eine relativ seltene Krankheit, von der Frauen am Ende ihrer Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt ihres Kindes betroffen sind. Nun hoffen die Forscher, PPCM bei frühzeitiger Diagnose medikamentös behandeln zu können. "Bei unserer Entdeckung stand uns der Zufall zur Seite", sagt Helmut Drexler, einer der beteiligten Wissenschaftler von der Medizinischen Hochschule Hannover. "Wir hatten uns darüber gewundert, dass bestimmte Gruppen unserer Labormäuse maximal vier Mal Nachwuchs warfen bevor sie starben - normal sind aber bis zu zwölf Würfe." Viele Mäuse starben kurz nach der Geburt. "Das war der entscheidende Hinweis auf das Hormon Prolaktin." Prolaktin steuert die Milchbildung und die Rückbildung der Gebärmutter nach dem Ende der Schwangerschaft. Wie die Wissenschaftler zeigten, wird das Hormon bei einigen Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt gespalten. Dabei entsteht ein Molekül, dass die kleinen Blutgefäße am Herzmuskel zerstört und damit die Blutzirkulation so stark schädigt, dass der Herzmuskel darunter leidet. Die Folge: eine Einschränkung der Pump-Funktion der linken Herzkammer und - im schlimmsten Fall - Herzversagen. "Bei Mäusen haben wir diese Herzschwäche mit Medikamenten geheilt", sagt Drexler. Die Forscher behandelten die Tiere mit Bromocriptin, einem in der medizinischen Praxis bereits häufig eingesetzten Medikament, das die Freisetzung von Prolaktin stoppt. Die Forscher glauben, dass der Mechanimsus beim Menschen ähnlich ist. "PPMC kann auch beim Menschen medikamentös behandelt werden", sagt Forschungsleiterin Denise Hilfiker-Kleiner von der Medizinischen Hochschule Hannover. Bei einer kleinen Patiengruppe erzielten die Forscher bereits erste Behandlungserfolge."Langfristig ist es aber erstrebenswert, allein die Spaltung von Prolaktin und nicht generell dessen Produktion zu stoppen", sagt Drexler. Denn Frauen, die Bromocriptin einnehmen, bilden keine Muttermilch mehr. "Bei begründeten PPCM-Verdacht überwiegt der Nutzen des Medikaments die Nachteile trotzdem klar." Bislang wird die schwangerschaftsbedingte Herzkrankheit allerdings oft nicht rechtzeitig erkannt. Die Wissenschaftler wollen deshalb einen Test zur Früherkennung von PPCM entwickeln. Die schwangerschaftsbedingte Herzkrankheit, von der besonders Afro-Amerikanerinnen betroffen sind, tritt relativ selten auf. Dennoch zählt sie in Entwicklungsländern zu einer der häufigsten Todesursachen für Mütter kurz nach Geburt ihres Kindes. Quelle: Journal MED