In den USA tappen immer mehr Männer auf der Suche nach jungen Mädchen in die Falle: Die Betreiber einer speziellen Internetseite geben sich in Chatforen als weibliche Jugendliche aus und stellen die Kontaktsuchenden im Netz als Pädophile an den Pranger. San Francisco - Der 26 Jahre alte US - Amerikaner Xavier von Erck gibt sich im Internetchatnamen meistens als junges Mädchen mit dem Namen wie "Jenny-13" oder "Sweet-as-candy-15" aus. "Es ist erschreckend, dass ein 13 jähriges Mädchen im Handumdrehen von fünf bis zehn erwachsenen Männern angesprochen wird," berichtet er über seinen Kampf gegen Pädophile." Der Gründer der Webside www.perverted-justice.com und rund 40 freiwillige Helfer haben es sich auf die Fahne geschrieben, Pädophile im Cyberspace zu entlarven und sie mit Hilfe der Polizei zu fassen. "Man muss diese Kerle einfach hassen" ereifert sich der Mann aus Portland/Oregon, der 2003 die Bürgerwehr mit einem Freund ins Leben rief und mittlerweile auf der Website bis zu 20.000 Besucher am Tag verbucht. Kritiker halten den selbsternannten Kinderschützern bedenkliche Selbstjustiz vor. "Bist du noch Jungfrau?" fragte ein 41 jähriger Mann im Chat ein vermeintlich 14 Jahre altes Mädchen, hinter dem sich ein Bürgerwehr - Mitarbeiter verbarg. "Was macht Dir im Bett am meisten Spass", bohrt der Mann weiter nach. Das eindeutige Gespräch ist auf der Webseite Wort für Wort nachzulesen. Dazu werden Vorname, Bild, Chat-Pseudonym und Telefonnummer veröffentlicht. 768 Profile haben die Betreiber mittlerweile angelegt, "um diese Personen ins Rampenlicht zu rücken", sie öffentlich bekannt zu machen und so andere potenzielle Päderasten abzuschrecken, erklärt von Erck. Auf einer "Schleimigkeitsskala" von 1 - 5 können Webseitebesucher die Sexdialoge der Männer einstufen. Aufgebrachte Bürger beschimpfen die Entlarvten in Anrufen und E-mails. "Bitte, ruft nicht mehr an" fleht ein 41 jähriger Mann aus Louisiana, dessen Profil auf der Webseite zu finden ist. "Ich habe einen schweren Fehler gemacht und werde zum Therapeuten gehen" lautet die Entschuldigung. Er sei kein Pädophiler, sondern er wollte nur ein wenig chatten, beteuert der Familienvater. Die Pädophilenjagd geht längst über die öffentliche Erniedrigung hinaus. "Sobald die Männer direkten Kontakt suchen und sich mit den minderjährigen Mädchen zu treffen wünschen, schlagen wir zu" erklärt von Erck. Bei verdeckten Polizeieinsätzen gingen seit Jahresbeginn 75 Männer ins Netz. Sie wollten sich mit jungen Mädchen treffen, wurden aber von Undercover-Beamten empfangen. Oft verfolgen Fernsehkameras solche Einsätze. In 25 Bundesstaaten seien dank seiner Organisation 49 Pädophile verurteilt worden, erzählt von Erck. Die Gruppe, die sich als Helfer der Polizei sieht, hält ihre Arbeitsweise "für 100% legal". Doch Kinderschutzaktivisten und die Gegenbewegung werfen den "Amateurinternetdetektiven" Einschüchterung, Verfolgung und Gesetzesübertretung vor. Gelegentlich werden Unschuldige an den Pranger gestellt und die Vorgabe "schuldlos bis zum Beweis des Gegenteils" ignoriert. Von Erck weist alle Angriffe zurück. Noch niemand habe einen Grund gefunden, ihn zu verklagen, sagt er. 99,5% der Zuschriften aus allen Teilen der USA seien voll des Lobes.